Lockdown – 2021 – I

Guten Abend, heute möchte ich etwas zur aktuellen Lage außerhalb unserer vier Wände schreiben. Es obliegt mir nicht, irgendwelche Entscheidungen in Frage zu stellen, aber meine Meinung dahingehend, werde ich hoffentlich äußern dürfen. Wie Ihr bereits wisst, arbeite ich in der Pflege und muss an dieser Stelle einiges sagen. Nein, es wird kein Text in der Form, wie Ihr ihn bereits an jeder Ecke zu lesen bekommt.

Mein Kontext, wird ein anderer sein.

Das Anliegen meiner Verlautbarung liegt darin, dass ich Tag für Tag erst so richtig das Ausmaß erkenne. Ich stehe weiterhin jeden Morgen sehr früh auf, um arbeiten gehen zu können. Wie oft fluche oder kämpfe ich innerlich mit meinem Schweinhund, um ihm klar zu machen, dass das doch nicht jeden Tag sein muss. Dabei vergesse ich den schmerzhaften Fakt und Gedanken vieler Menschen, denen es gerade sehr schlecht geht. Das tue ich nicht aus Missgunst oder Unachtsamkeit, nein. Für mich hat sich an meinem Alltag nichts verändert und da liegt der entscheidende Punkt. Ich muss jetzt keine Fakten, Wissenschaften oder Studien an Tag legen, um Euch irgendwas zu erklären. Letztendlich steht nur eine Frage im Raum und das seit längerer Zeit. „Wann und Wie wird es weitergehen„. Ich verdiene mein Geld und bin tatsächlich zum Ersten Mal dankbar darüber, dass ich meinen Job noch habe. Ich darf mich weiterhin um Menschen kümmern, welche meine Fürsorge/ Hilfe, meinen Respekt und meine Aufrichtigkeit brauchen und das tue ich mit Herz und Verstand. Ich darf weiterhin als Vorbild für meine Kinder fungieren und halte das Bild aufrecht. Das was ich heute mit meinen Worten tun möchte? Ist tatsächlich mal das Gegenteil von dem, was wir täglich überall geliefert bekommt. Ich möchte Danke sagen. Danke dafür, dass ich Aufstehen darf, um meiner Arbeit nachgehen zu können. Danke dafür, dass ich alles aufrechterhalten darf, was ich mir aufgebaut habe. Danke, dass ich den Angehörigen meiner Pflegepersonen, einen Funken an Sicherheit schenken darf.


Trotz des Dank- Gefühls in mir und der Tatsache, dass es mir gut geht.. Fühlt es sich nicht ganz richtig an, da man weiß, wie vielen Menschen es gerade sehr schlecht geht. Man sieht in alle Richtungen Tränen, Angst, Trauer und auch Wut, geschuldet der Gesamtsituation. Ich wünsche allen Menschen da draußen Kraft! Ich weiß, dass man nach einer gewissen Zeit nicht mehr weiß, woher mit dieser. Ich weiß auch, dass Worte einfacher gerichtet sind, wie Taten. Die Realität zwingt einen Menschen immer wieder in die Knie, allerdings aus vielen anderen Gründen. Jetzt geschieht hier aber nichts aus eigenen Fehlern oder anderen beinflussbaren Gründen, nein. In diesem Fall wird in Kauf genommen, dass es passiert und das ist ein entscheidender Unterschied. Selbstverständlich steht die Gesundheit jedes Menschen an oberster Front und diese sei stets in alle Richtungen zu schützen. Man sollte aber niemals die Psyche eines Menschen unbeobachtet lassen. Denn sie hat oft verheerendere Folgen, wie alles andere. Der Kreislauf, welcher hier entsteht ist nur schwer zu durchbrechen. Gestern habe ich für kurze Zeit das Radio angehabt und es umgehend wieder bereut! Es waren innerhalb weniger Minuten, zwei Aussagen mit jeweiligen Fakten, welche unterschiedlicher nicht hätten sein können. Hinzukommt, dass diese nie in einem Satz hätten genannt werden dürfen, wenn noch ein Funken an Gerechtigkeit und Menschlichkeit vorhanden wäre.

Die Inhalte der Mitteilungen betrafen den Punkt, dass der Lockdown sich wohl oder übel bis März 2021 verlängern könne. Die zweite Aussage betraf den Punkt, dass Firma XY gerade 1,5 Milliarden Euro in eine XY Währung investiert hat. Das erste was mir in den Kopf schoss, war : „Ist das deren Ernst?“ Für viele Menschen bricht gerade der Rest an Hoffnung weg, der so oder so schon angekratzt war und die nächsten investieren in eine Währung? Milliarden? Ich wurde innerhalb kürzester Zeit so wütend und fing wieder an, alles in Frage zu stellen. Jeder Mensch der fleißig ist, hat es sehr wohl verdient seinen Lohn dafür zu erhalten. Das war schon immer so und sollte auch so bleiben. Aber nicht immer haben wir eine Pandemie in welcher es heißt, zusammenzuhalten. Nicht immer ist der Bedarf vieler Menschen so groß, als dass man nicht auch mit geringen Beständen helfen könnte. Auch ich und das tue ich selten, aufgrund fehlendem Vertrauen in die Menschen.. Habe gespendet! An ein kleines Unternehmen, welchem es sehr schlecht geht. Es gab einen Hilferuf und ich behaupte mal, dass dieser nicht ohne Bedenken und Bauchschmerzen erfasst wurde. Sprich, es ist so offensichtlich und auch kleine Beträge können helfen. Ich möchte hier keinen Aufruf starten und niemandem zu Nahe treten. Ich plädiere allerdings an jeden Menschen und seine inneren Werte. Es ist eine Ausnahmesituation. Die Geschichte zeigt, dass Zusammenhalt alles bedeutet.

Danke für Eure Zeit, Tini.